Mein kleines Raumfahrtprogramm auf Basis des Aggregat 4 (A4)

Zur Geschichte
 
Aggregat 4 (A4) war die Typenbezeichnung der ersten voll funktionsfähigen Großrakete.
Die A4 (V2) war 14 m lang und startbereit knapp 13 t schwer.
Die Schubleistung des Raketenmotors betrug 650.000 PS,
die Brenndauer betrug 65 sec., die erreichte Geschwindigkeit 5 600 km/h.
Nach Jahren der Entwicklung gelang am 03. Oktober 1942 der erste erfolgreiche Start
einer A4 vom Prüfstand VII in Peenemünde.
In 296 Sekunden flog das Gerät 190 Km weit in die Danziger Bucht.
Die Gipfelhöhe betrug damals 84,5 km und die Geschwindigkeit 1.340 m/sec.
Trotz einer Reihe von Fehlschlägen konnten die Probleme beseitigt und die Rakete
weiterentwickelt werden. Die A4-Rakete wurde in der Zeit des Nationalsozialismus als ballistische Artillerie-Rakete großer Reichweite konzipiert und gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in großer Zahl eingesetzt. Sie gilt außerdem als erstes von Menschen konstruiertes Objekt, das die Grenze zum Weltraum durchstieß. Entwickelt wurde das Aggregat 4 von einer Gruppe von Wissenschaftlern und Ingenieuren um Wernher von Braun, dem Technischen Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, der auch die Raketenpioniere Max Valier und Arthur Rudolph angehörten.
 
Nach dem Krieg
 
Auf US-Seite wurden unter anderem Fruchtfliegen im Juli 1946 mit einer A4 transportiert und als erste Organismen im All bezeichnet. In Huntsville, Alabama wurde ein neues Raketenzentrum gegründet, und zusammen mit den deutschen Wissenschaftlern wurden hier auf dem Testgelände insgesamt 67 A4-Raketen abgefeuert. Sie bildeten den Grundstock für die späteren Redstone-Raketen und für diverse Weiterentwicklungen ähnlicher Kriegswaffen, letztlich aber auch für die Saturn-V-Raketen.
Mein Projekt
 
Ich habe mein Raketenmodell im Maßstab 1:15 gebaut, das erschien mir größenmäßig mit einer Gesamthöhe von ca. 100cm gerade noch sinnvoll. Der Rumpf besteht aus Sperrholzspanten und bei der äußeren Beplankung entschied ich mich für leichtes Balsaholz.
 
 Mein Aggregat 4 im Maßstab 1:15
 Erfolgreicher Start
 
Als Antrieb baute ich Feststoff-Raketenmotoren ein, diese leisten einen Gesamtschub von ca. 60N und haben eine Brenndauer von 1,9 Sekunden. Der Raketenstart erfolgt durch elektrische Zündung, da der Antriebscluster, der aus vier D-Motoren (diese enthalten Schwarzpulver als Brennmaterial) besteht, auch gleichzeitig gezündet wird. Nach dem erreichen der Gipfelhöhe von mehreren hundert Metern, wird die Rakete automatisch durch kleine Treibladungen in zwei Hälften geteilt an denen jeweils ein Fallschirm ausgelöst wird. An diesen Bremsschirmen gleitet die Rakete anschließend sanft zu Boden und kann wieder verwendet werden - soweit die Theorie.
 
 
 Die Rakete und ihre einzelnen Komponenten
 
Nachdem der exakte Schwerpunkt der Rakete errechnet war, konnte ein erster Teststart erfolgreich absolviert werden. Alles lief perfekt, wie oben beschrieben ab.
 
 Kurz nach dem Start beschleunigt die Rakete enorm
Nach wenigen Sekunden ist die Rakete mit blosem Auge kaum noch zu sehen
 
Einige Wochen später, nachdem die Rakete wieder mit neuen Antrieben bestückt und die Fallschirme sauber gefaltet in der Rakete verstaut waren, verließ mich nach dem Start das Glück, die Rakete kippte in 100m Höhe seitlich ab, und bohrte sich mit voller Geschwindigkeit einige hundert Meter vom Startplatz entfernt in den Acker - noch bevor die Fallschirme ausglöst wurden. Kurz darauf habe ich dann dieses Projekt beendet, der Zeitaufwand ist einfach zu groß...
 
 Raketenstart im Winter
 Bereit zur Zündung kurz vor dem ersten Testflug
 
Da geht es den Kleinen wie den Großen - vor Fehlschlägen ist man nie sicher - die Ursache für den Absturz ist ungeklärt
 
 
© Kay Saupe - 2008